Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie

SPA-S: Screening Psychischer Arbeitsbelastungen - Situation


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Screeninganalyse psychischer Belastungen

  • für die Beurteilung der Arbeitsbedingungen gemäß Arbeitsschutzgesetz
  • problembezogen an allen Arbeitsplätzen

[Webseite]SPA-S Online-Version


Zielstellung

Psychische Belastungen gewinnen in der Arbeitswelt enorm an Bedeutung. Zeit- und Verantwortungsdruck sowie neue Arbeitszeitformen, erhöhte Anforderungen an Flexibilität und Mobilität sind nur einige Faktoren. Zunehmende emotionale Anforderungen im Beruf und neue Organisationsformen führen verstärkt zu psychosozialen Problemen. Auf diese neuen Anforderungen und Belastungen muss die Arbeitsschutzverwaltung adäquat reagieren. Dazu braucht sie geeignete Verfahren, wie z. B.

Das SPA-Situation- (SPA-S)- Verfahren

Das SPA-S ist ein objektives Verfahren und beruht auf der Einschätzung von 37 vorgegebenen Tätigkeitsmerkmalen. Dabei muss sich der Beurteiler entscheiden, ob das Merkmal für die zu beurteilende Tätigkeit zutrifft oder nicht.

Folgende Merkmalsbereiche werden dabei herangezogen:

  • Entscheidungsspielraum
  • Komplexität / Variabilität
  • Qualifikationserfordernisse
  • Risikobehaftete Arbeitssituationen/Besondere Anforderungen an die Handlungszuverlässigkeit
  • Belastende Ausführungsbedingungen

Anwendung

Das SPA-S erfordert solide Kenntnisse über die zu beurteilende Arbeitssituation.

Es ist konzipiert für Aufsichtskräfte der Behörden und Unfallversicherungsträger sowie für Betriebsärzte und Sicherheitsfachkräfte, die eine spezielle Schulung zum Verfahren absolviert haben.

Ergebnis

Die Ergebnisse des SPA-S erlauben eine Einstufung der Tätigkeit in folgende 4 Kategorien:

0  psychische Fehlbelastung unwahrscheinlich
1  psychische Fehlbelastung wahrscheinlich
2  psychische Fehlbelastung hoch wahrscheinlich
3  psychische Fehlbelastung liegt vor

Es lassen sich sowohl die Dringlichkeit von Interventionsmaßnahmen als auch die entsprechenden Interventionsbereiche ableiten.

Im Falle ausgeprägter Fehlbelastung empfiehlt sich der Einsatz des Anschlussverfahrens SPA-Person (SPA-P), dessen Anwendung und Auswertung jedoch Arbeitspsychologen vorbehalten ist.

Durchführung des SPA-S

Eingangsgespräch im Betrieb mit Erläuterung des Anliegens und des organisatorischen Ablaufs der Grobanalyse
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[Punkt] Betriebsbesichtigung
[Punkt] Studium von Betriebsunterlagen über die Tätigkeit und den Arbeitsplatz
[Punkt] Gespräche mit Führungskräften über Inhalt und Organisation der Tätigkeit
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[Punkt] Beobachtung der Tätigkeit
[Punkt] zur Ergänzung Fragen an den Arbeitnehmer zur Tätigkeitsausführung
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Durchführung des SPA-S

(Einschätzung von 37 Merkmalen der Tätigkeit)
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Auswertung des SPA-S mit Ableitung des Interventionsbedarfs hinsichtlich Dringlichkeit und Richtung
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Rückmeldung der Ergebnisse an den Betrieb

Vorteile

Das SPA-S zeichnet sich aus durch seine

  • universelle Einsetzbarkeit (alle Tätigkeiten in Produktion und Dienstleistung)
  • hohe Zeitökonomie
  • Grenzwertorientierung sowie
  • gerichtete Interventionshinweise.

Die Gütekriterien Validität, Reliabilität, Objektivität, Ökonomie, Sensitivität und Diagnostizität entsprechen den Forderungen der ISO DIN EN 10075-3 (Anforderungen an Verfahren zur Messung psychischer Belastung/Beanspruchung).

Erfahrungen

In der Arbeitsschutzverwaltung des Landes Brandenburg wurde (nach einer speziellen Schulung im Landesinstitut für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Potsdam) das Verfahren im Rahmen einer Pilotierung eingesetzt. Dabei kam es in verschiedenen Branchen erfolgreich zum Einsatz, wie z. B. in der

  • Fleischverarbeitung
  • Verwaltung
  • Rettungsdienst
  • Altenpflege.

Die Universität Potsdam konnte darüber hinaus positive Erfahrungen in Call Centern, im Einzelhandel, in der stationären Krankenpflege, in Sekretariaten und anderen Einrichtungen sammeln.

Ansprechpartner

Autoren des Verfahrens:

Universität Potsdam  Institut für Psychologie

Frau Prof. Dr. Anna-Marie Metz
   Tel.: (03 31) 9 77 2826
   e-mail: metz@uni-potsdam.de
Herr Prof. Dr. Heinz-Jürgen Rothe
   Tel.: (03 31) 9 77 28 94
   e-mail: rothe@uni-potsdam.de
   Fax: (03 31) 9 77 20 91 (Sekretariat)

Anwender im staatlichen Arbeitsschutz:

Landesinstitut für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Potsdam
Postfach 90 02 36
14 438 Potsdam
Fax: (03 31) 86 43 35
e-mail: liaa.arbeitsmedizin@liaa.brandenburg.de
Frau Dipl.-Psych. Sabine Mühlbach
Tel.: (03 55) 49 93 - 1 81
Frau Dipl.-Psych. Heide Herborn
Tel.: (03 31) 86 83 - 1 31


Stand: Februar 2008 

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